Magnolie aus Stahl
Happiness

Magnolie aus Stahl – oder: Warum ich ein Blümchen bleibe.

Jahrelang habe ich versucht, mit harter, harter Arbeit Karriere zu machen. Und jahrelang habe ich mir Vorwürfe gemacht, weil das einfach nie so richtig klappen wollte. Ich habe geschuftet, mich an alle Regeln gehalten und jeden gottverfluchten Sonderauftrag angenommen, der sich mir in den Weg warf. Und das Ende vom Lied? Die Magnolie aus Stahl, sieht dabei zu, wie unqualifizierte, inkompetente, dreiste Menschen Karriere machen.

Verbitterung oder Erkenntnis?

Nun könnte man meinen, dass in diesen Worten eine gewisse Bitterkeit mitschwingt. Und ganz sicher war das vor zwei Jahren auch noch der Fall. Doch mittlerweile habe ich eine Sache für mich erkannt und akzeptiert, derer ich mich nicht schämen muss: Ich bin ein zartes Blümchen. Ich besitze keine Ellenbogen. Und ganz sicher ist nichts Schlimmes daran, wenn ich 100 % meiner Arbeitszeit arbeite, anstatt 80 % darüber zu reden, wie viel Stress ich habe. Ich bin eine Magnolie, jedoch eine Magnolie aus Stahl. Und das bedeutet, dass ich zu lieb, zu verletzlich und zu wenig egoistisch bin – jedoch wie eine Wölfin kämpfe, wenn es um die wichtigen Dinge im Leben geht.

Und ein Job ist alles andere als wichtig.

Sicherlich tue ich meine Arbeit mit Eifer und Spaß. Doch die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass man als normale Frau in unserer heutigen Geschäftswelt nach wie vor kaum ein Chance hat. Wer macht denn Karriere? Es sind meist Frauen, die sich gegen eine Familie entscheiden oder Mütter, die unfassbar viel Unterstützung haben. Eine Durchschnittsmami wie unsereins kann da nicht mithalten. Und ich will auch nicht mehr mithalten. Das hat nichts mit aufgeben zu tun, sondern ist einfach nur die Erkenntnis, wer ich bin und was ich tatsächlich will.

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Blabla statt Qualität

Selbst, wenn die Arbeit immer tipptopp ist und man sich den besagten Popo aufreißt … am Ende werden doch die befördert, die sich besser darstellen, mit dem Chef per du sind oder irgendwelche Geheimnisse kennen, die unsereins nicht mehr schlafen lassen würden. Bis auf einen übellaunigen Gartenzwerg, der seine Mitarbeiterinnen entweder datete oder mobbte, waren eigentlich alle Chefs mit meiner Arbeit zufrieden. Doch in einem Wort des letzten Satzes liegt des Pudels Kern: Chefs! Nicht Chefinnen! Und wer müsste denn etwas ändern, damit Frauen ganz fair und entsprechend ihrer Fähigkeiten Karriere machen könnten? 

Ein Gleichnis … 

Nehmen wir unseren Bundestag: Ich persönlich bin ja der Meinung, dass im Bundestag oder auch in den Landtagen nur so viele Sitze belegt werden sollten, wie prozentual der Wahlbeteiligung entsprechen. Damit könnten wir das zweitgrößte Parlament der Welt deutlich reduzieren, die Kosten für unseren Machtapparat kolossal senken und den tatsächlichen Willen des Volkes abbilden. Wenn Politik zu Verdrossenheit führt, bekämen das unsere oberen 1.000 eins zu eins zu spüren. Doch wer müsste denn solch eine Gesetzesänderung beschließen? Richtig: Genau die, die davon profitieren, dass alles so schön bleibt, wie es ist. Und genau so ist es in unserer Männer dominierten Geschäftsfeld.

Das Fazit einer Magnolie aus Stahl

Mein ganzes Leben lang wurde mir eingeredet, dass ich jemand sein muss, der ich nicht bin. Das ging mit der Girlie-Bewegung in den Neunzigern los. Seinerzeit schenkte mir sogar meine Oma das Buch „Gute Mädchen kommen in den Himmel böse überall hin“ (Amazon-Partnerlink). Und damit war er gelegt, der Grundstein des schlechten Gewissens, weil ich einfach nicht tough genug, frech genug und erfolgreich genug war. Doch damit ist jetzt Schluss!

Gerade vor zwei Tagen, habe ich mich mit meinem Papa unterhalten. Er war richtig traurig, weil ich beruflich auf der Stelle trete: „Mensch, du bist doch so eine Gute. Warum sehen das diese Idioten nicht?“ Ich musste lächeln, weil ich das so lieb von ihm fand. Aber ich konnte ihm auch 100 % ehrlich versichern, dass alles gut ist.

Ich habe akzeptiert, dass ich keine Karrierefrau bin. Ich bin nicht knallhart, kein Schaumschläger und für den Geschmack vieler Menschen viel zu ehrlich. Außerdem gibt es mittlerweile viel wichtigere Dinge in meinem Leben, als dass ich mir über Lappalien wie einen Job noch großartig Gedanken mache. Ich bin genau dort, wo ich sein will. 

Erkenntnis kann manchmal wunderbar entschleunigen und happy machen.

Viele Grüße

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