Tal der Tränen
Happiness

Im Tal der Tränen: Warum Happiness manchmal eine Krux sein kann.

Die Sache mit der Happiness. Die hat schon so ihre Tücken. Monatelang gelingt es einem, brav das Glückstagebuch zu führen, böse Gedanken zu verscheuchen und in fast allem das Schöne zu entdecken. Doch dann kommt eine Woche, in der die beharrlich aufgebaute Kuschelzone komplett in sich zusammenfällt und die Stimmung ins Tal der Tränen rauscht. Und der Zweifler in einem sogar das ganze Konzept in Frage stellt.

Auf zu Tode betrübt …

Ein gutes Beispiel hierfür war meine letzte Woche. Da ging einfach gar nichts zusammen. Mausi krank kombiniert mit Trotzphase. Im Büro nur Stress und Hektik und Aufregung. Daheim ein Riesenberg Arbeit und viele halbfertige Baustellen. Und dann hat auch noch mein Laptop die Grätsche gemacht und ich kam nicht einmal mehr an meine Weihnachtslieder heran. Aaaahhhhh! Das einzige, was mich hätte noch etwas aufheitern können!!!

Ich war genervt und schlecht gelaunt – und komplett überfordert von meiner eigenen Gefühlslage und meinem schlechten Gewissen. Ich stelle doch gerade mein Leben auf „happy“ um – aber das war nicht „happy“. Das war ganz und gar Tal der Tränen kombiniert mit Extra-Kummer. Das kann doch gar nicht sein, dass mich solch ein paar Lappalien derart in den Abgrund reißen! Wofür meditiere und grinse ich denn jeden Tag, wenn ich mich dann doch mies fühle? Lebe ich am Ende gar eine große Lüge?

… folgt wieder Sonnenschein

Heute muss ich etwas grinsen, wenn ich das lese. Ich habe mich wieder eingekriegt, keine Sorge! Gut, das liegt zum einen daran, dass sich die Gesamtsituation etwas entspannt hat. Mausi hat ihre Bazillen an mich weitergegeben und ist wieder halbwegs fit. Vom Büro habe ich zwei Tage zwangsfrei, weil ich Überstunden abbauen muss – und außerdem wärmt mich die Aussicht, dass ich nur noch nächste Woche vor der Brust habe und dann für mich das Arbeitsjahr zu Ende ist. Die Baustellen sind nach wie vor riesig, aber das ist mir egal … schließlich habe ich bald Urlaub, da reicht es immer noch. Und mein Laptop ist immer noch eine Dreckskrücke. Aber nachher kaufe ich mir ein neues Betriebssystem und dann wird sicher alles viiiiiiel besser. Naja, Zweckoptimismus ist auch ein Optimismus.

Doch was ich damit sagen will: Happiness und Hygge sind eine Lebenseinstellung. Aber das bedeutet keinesfalls, dass wir nicht mehr das Recht haben, traurig zu sein. Wenn alles bescheiden läuft, dann dürfen wir auch mal genervt und fertig sein. Wir sind alle nur Menschen und wir haben alle Gefühle. Das ist normal und kein Zeichen von Inkonsequenz oder falschem Lebensweg. Das hat mir mein Tal der Tränen letzte Woche gezeigt. Und diese Erkenntnis bringt mich hoffentlich ohne schlechtes Gewissen durch die nächste Schlechte-Laune-Phase.

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