Happiness

Entrümpeln für Anfänger – Kleinvieh macht auch Mist {Oder: Atme tief ein und aus – du hast wieder Platz!}

Wisst ihr, was mich so richtig grantig machen kann? So richtig grantig mit fiese Fresse ziehen, nichts mehr erzählen wollen und in allem einfach nur das Schlechteste sehen. Also, so richtig, richtig, richtig grantig!?! Wenn ich meinen Rappel bekomme. Und der heißt: Mich-kotz-alles-an-wir-wohnen-hier-in-einer-Müllhalde-sammeln-viel-zu-viel-Scheiß-an-und-ich-will-jetzt-augenblicklich-einen-Container-vor-der-Tür-stehen-haben-in-den-ich-ohne-mich-rechtfertigen-zu-müssen-alles-reinschmeißen-darf-was-mich-jeden-Tag-aufs-Neue-ankotzt-was-ich-nicht-mehr-sehen-kann-und-was-mich-ganz-wortwörtlich-BELASTET!

Gut, der Arbeitstitel mag ein wenig sperrig daherkommen, aber er trifft doch ziemlich genau meine Gefühle, wenn ich so manchmal durch unser Haus laufe. Klamotten, die ich seit Jahr und Tag nicht mehr getragen habe. Steh-rum-chen und Staub-ein-chen, die mir noch nie gefallen haben, die ich aber nicht wegwerfen darf, weil dann derjenige beleidigt sein könnte, der sie mir geschenkt hat. Ähnliches gilt für Bücher, Schuhe, DVDs, manche Schmuckstücke, tausende, unnötige Dateien auf meinem PC. Ich finde die Living-Bilder auf Instagram und Pinterest immer so toll, auf denen Bücher und Kissen Deko sind und nicht einfach nur irgendwo blöd herumliegen. Klare Flächen, aufgeräumt, ALLES HAT SEINEN PLATZ. Das ist bei uns der entscheidende Faktor, warum wir immer wieder über Dinge stolpern: Vieles hat einfach nicht seinen eigenen, festen Platz. Also, liegen dann diese Sachen mal eine Woche, mal zwei, mal noch länger an irgendeinem Ort und niemand räumt sie weg – weil keiner weiß, wohin. Das macht mich wahnsinnig!

Dagegen muss ich etwas tun, denn Wahnsinn wird nicht von jedem als förderliche Charaktereigenschaft eingestuft. Doch kommt an dieser Stelle die Sache mit der Zeit ins Spiel und da wird die Angelegenheit knifflig. Wann soll ich bitteschön die Zeit finden, komplett auszumisten und für alles, was übrig bleibt, einen festen Platz zu definieren? (Zumal Herr Schatz in vielen Fällen andere Plätze als viel sinnvoller erachtet – aber gut, davon wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen …) Was kann ich also tun?

Langsam starten: Entrümpeln in kleinen Schritten

Wie so oft in meinem Leben greift auch in dieser Frage einer meiner wichtigsten Leitsätze: Es gibt nichts Gutes – außer man tut es.

Für mich heißt das: Weniger darüber nachdenken, was ich alles perfekt machen könnte, wenn ich die Zeit, das Geld, die Muße usw. hätte, sondern einfach anfangen. Es einfach machen, auch wenn ich weiß, dass ich es mit meinen aktuellen Mitteln (noch) nicht perfekt machen kann. Wie dieses Blog. Ich habe einfach mal angefangen. Einfach, weil mir das Thema total am Herzen liegt. Und das obwohl ich weiß, dass ich keine Zeit habe für vier Beiträge in der Woche, Experteninterviews, Marketing, Blogger Relations, Suchmaschinenoptimierung und so fort. Doch ich laufe in kleinen Schritten los und hoffe, dass dabei irgendwann einmal etwas ganz Großes entsteht. Und genauso handhabe ich das mit dem Entrümpeln. Hier habe ich für mich zwei Möglichkeiten entdeckt:

Entrümpeln lernen: Drei kleine Projekte zum Start

Habt ihr auch ein paar Ecken in eurer Wohnung bzw. eurem Leben, die euch immer wieder nerven? Die Schublade im Dielenschrank, die schon fast nicht mehr zu geht? Die nutzlosen Dateien auf eurem Handy? Der Kleiderschrank, in dem ihr manche Sachen schon gar nicht mehr entdeckt, weil anderer „Schrott“ davor hängt? Der Vorratsschrank, in dem zehn Prozent der Lebensmittel abgelaufen sind. Ja, das kenne ich. Solche Hotspots sind perfekt, um mit dem Entrümpeln zu beginnen. Örtlich begrenzt und daher leicht zu überschauen. Und vor allem sieht man nach recht kurzer Zeit ein ganz klares, tolles Ergebnis. Daher lauten meine drei ersten Schritte zum Start in ein entrümpeltes Leben:

1. Mistet eine Schublade aus, die euch tierisch auf den Zeiger geht!

So habt ihr mit recht wenig Aufwand schnell ein erstes Hochgefühl.

2. Entrümpelt die PDF-Sammlung auf eurem Handy (oder ähnliches)!

Die hat mich schon länger genervt. Jetzt ist nach dreißig Minuten Zeitaufwand endlich alles gelöscht, was ich nicht mehr brauche und alles nach dem gleichen Schema beschriftet, was ich behalten will. So finde ich es wenigstens immer wieder. Nach dieser Aktion ging es mir schlagartig besser.

3. Macht euch über euren Kleiderschrank her!

Hier hatte ich drei Kategorien: Kann sofort weg. Kann bedingt weg. Kann bleiben – steht aber trotzdem auf dem Prüfstand.

  • Die erste Kategorie ist klar: Gefällt nicht mehr, Farben verblasst, veraltet, zu oft getragen, seit Jahren nicht mehr getragen etc. Hauptsache schnell weg! Ich habe mir auch gar nicht die Mühe gemacht, die Spreu vom Weizen zu trennen – was könnte ich vielleicht noch verkaufen? Pauschale Antwort: Nichts! Zuviel Arbeit und zu viel Zeit für 3,50 Euro Ertrag! Einfach weg!
  • Die zweite Kategorie ist da schon mit etwas mehr Aufwand verbunden: Hier habe ich alles zur Seite sortiert, was ich nicht mehr haben will … was ich aber vielleicht doch noch behalten muss. Business-Klamotten und solchen Müll. Kein Bock darauf, aber wer sagt mir, dass ich sie über kurz oder lang nicht doch wieder brauche. Eine Umzugskiste mit dem Zeug steht abseits – und wenn ich bis zum Winter nichts davon hervorgeholt habe, fliegen auch diese Teile in die Altkleidersammlung.
  • Die letzte Kategorie umfasst alle Sachen, die ich behalten habe. Aber auch diese haben keinen Stammplatz in meiner Schrankhälfte garantiert. Um zu prüfen, was ich davon tatsächlich überhaupt noch trage, habe ich alle Teile mit dem Bügel verkehrt herum aufgehängt. Alles, was ich anziehe und gewaschen wieder in den Schrank kommt, hänge ich richtig herum auf. So erkenne ich nach einem Jahr genau, was ich getragen habe und was nur Platz wegnimmt. Und dann mache ich noch einmal Tabula rasa.

Wer nach diesen drei Schritten Blut geleckt hat, kann mit seinem Bücherregal weitermachen. Mit den Küchenschränken. Mit der DVD-Sammlung. Mit den Dokumenten auf dem PC. Dem Kellerabteil, dem Dachboden. Und. So. Weiter. Und. So. Fort.

img_0141 Entrümpeln für Anfänger – Kleinvieh macht auch Mist {Oder: Atme tief ein und aus – du hast wieder Platz!}

Entrümpeln lernen: Jeden Tag eine gute Tat

Eine andere Möglichkeit, sich sukzessive von unnötigem Ballast zu trennen, ist die Pfadfinder-Methode: Jeden Tag eine gute Tat. Und die gute Tat besteht darin, jeden Tag eine Sache wegzuwerfen, die ihr nicht mehr braucht. Wegwerfen, nicht in die Kiste für den nächsten Flohmarkt packen. Das könnt ihr zusätzlich machen, zählt jedoch nicht als gute Tat. Denn mal ehrlich: Wie oft schafft man es tatsächlich auf den Flohmarkt zu gehen? Bei uns kommt es auf einmal alle drei Jahre. Und drei Jahre einlagern hat keinen befreienden Charakter. Also: Wegwerfen! Und mag der Gegenstand noch so klein sein. Wenn er euch stört, kommt er fort. Ein Teil bringt vielleicht nicht viel, aber nach zwei Wochen merkt man einen Anfang. Nach vier Wochen fühlt es sich noch besser an. Und wenn ihr erst einmal den Tag erreicht habt, an dem ihr gar nichts mehr findet, dann habt ihr euch richtig von der Last befreit, die unnötiger Besitz mit sich bringt.

(Wegwerfen ist übrigens kein Aufruf, Müll zu produzieren. Ihr könnt eure Sachen natürlich auch spenden, aber es muss zeitnah passieren, sonst bringt der ganze Aufwand nichts.)

So, genug geschwallt für einen Freitagabend. Ich hoffe, es waren ein paar nützliche Tipps für euch dabei.

Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Probiert es einfach mal aus!

Ich wünsche euch ein befreites Wochenende.

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