Happiness

Das Glück des Tüchtigen

Basteln. Heimwerken. Clean Eating. Ausmalbücher für Erwachsene. Nähen, stricken, häkeln. Handlettering. Urban Gardening. Und Gott-weiß-was für Aktionen. Wie kommt es eigentlich, dass in letzter Zeit scheinbar jeder irgendein kreatives Hobby hat oder auf anderen Wegen Dinge tut, die schon Oma und Opa getan haben? Dinge, die noch vor fünf Jahren out und total uncool waren. Dinge, die meist überhaupt nichts mit der täglichen Arbeit im Büro zu tun haben.

Ich bin da ja auch so ein Opfer. Backen und kochen standen bei mir schon immer hoch im Kurs. Seit einigen Jahren bastle ich auch meine Grußkarten selbst. Etwas später fing ich mit Häkeln an. Seit einem Jahr nenne ich eine Nähmaschine mein eigen. Und seit Neuestem bin ich ganz versessen darauf, das Sketchnoten zu erlernen. Selbstverständlich alles, ohne dafür eines der anderen Hobbys aufzugeben. Was mich selbstredend immer öfter in zeitliche Bredouillen bringt. Nicht zu vergessen meine Sucht nach Kreativ-Büchern, die momentan zügellos unser Haus fluten.

Woher kommt dieses Verlangen nach kreativer Arbeit?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es sicherlich nicht. Aber für viele Leute in meinem Umfeld und mich selbst habe ich eine Antwort gefunden: Wer den ganzen Tag nur irgendwelche abstrakten Dinge am PC tut, der braucht am Ende des Tages noch ein Ergebnis, das er sehen, fühlen und vorzeigen kann. Ein Ergebnis, von dem er sagen kann: Das habe ich mit meiner eigenen Hände Arbeit geschaffen. Etwas Schönes. Etwas Leckeres. Etwas Nützliches. Egal! Hauptsache selbst gemacht und zum Anfassen.

Denn was schaffe ich denn den ganzen Tag über? Ich sitze an meinem Schreibtisch, tippe Buchstaben in einen Kasten, der auf vielen Ebenen viel schlauer ist als ich selbst, und hoffe, dass das Geschreibsel am Ende dazu taugt, irgendwo abgedruckt oder veröffentlicht zu werden. Manche Dinge davon scheinen leidlich wichtig, andere sind von vornherein so unwichtig wie der berühmte Sack Reis in China. Wobei der wenigstens noch jemanden satt macht. Doch was mache ich? Im Büro auf jeden Fall nichts, was die Welt in irgendeiner Form zu einem besseren Ort macht. Und da soll man keine Sinnkrise bekommen?!?!

Aus diesem Grund schaffe ich in meiner Freizeit Dinge, die meine Liebsten und mich erfreuen. Und die deutlich länger wirken als alles, was ich in einem Jahr im Büro schaffe. Nicht, weil ich im Büro nur Mist abliefere, sondern weil die Arbeit dort abstrakt und nicht greifbar ist. Meine Häkeljäckchen werden jedoch getragen, bis das Baby herausgewachsen ist. Meine Karten schaffen es vielleicht für mehrere Wochen auf ein Regalbrett und meine Sketchnotes werden irgendwann einmal meine Blogs verschönern … sobald sie so hübsch sind, dass ich sie vorzeigen kann.

So wie mir geht es sicherlich vielen Menschen da draußen. Und auch die aktuelle Plakatwerbung für „Das Handwerk“ scheint mich zu bestätigen. Denn dort stellt ein Handwerker die provokative Frage: „Und was hast du heute so gemacht?“ Ja, ja, schon gut. Ich bin ein Kopfarbeiter, der im Büro nichts Greifbares produziert. Aber komm du mal zu mir nach Hause, Freundchen …!!! 😜

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.