Bullet Journal
Achtsamkeit

Bullet Journal – Extra-Stress oder ein Weg zur Achtsamkeit?

Ein Bullet Journal spricht genau den Geist unserer Zeit an. Standard ist out – es lebe der Individualismus. Wer will schon einen Kalender von der Stange, wenn er sein eigenes, kleines Kunstwerk in den Händen halten kann. So dachte ich mir das auch, als ich vor rund einem halben Jahr mit meinem ersten Bullet Journal startete. Kann ja nicht weiter schwer sein. Macht ja gerade jeder. Und ein hübsches Sachbuch hatte ich mir natürlich auch besorgt. Easy, mach ich mit links.

Naja.

Zunächst einmal …

Was ist überhaupt ein Bullet Journal oder kurz BuJo oder Bullet Diary? Diese Frage klingt jetzt für manche von euch total banal. Aber ich habe festgestellt, dass selbst bis in die Fingerspitzen kreative Menschen manchmal noch nichts davon gehört haben. Daher …

Ein Bullet Journal ist zu Beginn erst einmal eines: ein leeres Notizbuch. Dieses leere Notizbuch macht ihr selbst zu einem Kalender, Reminder, Meilenstein-Planer, Kreativbuch oder was auch immer. Ihr gestaltet euren eigenen Terminplaner. Mit allen Rubriken, die ihr für nötig erachtet. Dies können sein:

  • Kalendarium (pro Tag, Woche, Monat und/oder Jahr – so wie ihr es wünscht)
  • Habit Tracker, ein „Gewohnheitsnachverfolger“
  • To-do-Listen
  • Tagebuch
  • Geburtstagserinnerungen
  • Sparstrumpf-Beobachter
  • Gewichts-Vergleicher
  • Ausschau-Halter
  • Rückblick-Verwalter
  • Kreativitäts-Entwickler
  • Rezept-Mitschreiber
  • ihr seht, worauf die Sache hinausläuft …

Eurer Kreativität sind mit einem Bullet Journal keinerlei Grenzen gesetzt. Und dies war es auch, was mich so gereizt hat.

Bullet_Jan-1024x1024 Bullet Journal – Extra-Stress oder ein Weg zur Achtsamkeit?

Bullet Journal: Mein Fazit nach einem halben Jahr Selbstversuch

Ein Bullet Journal ist eine tolle Sache. Ich habe ein Kalendarium, das meinen Anforderungen entspricht – eigentlich brauche ich nur eine chronologische Liste meiner Termine. Ich habe einen Habit Tracker, der mir helfen kann, gute Eigenschaften anzunehmen – sofern ich mir denn helfen lasse. Mein Glückstagebuch ist wunderbar griffbereit, schön prominent und fristet kein Dasein mehr in einer Ecke eines normalen Kalenders. Geburtstage sehe ich schon einige Tage im Voraus und kann mich darauf einstellen. Auf den monatlichen Deckblättern habe ich jeden Monat einen Grund, ein bisschen malen zu üben, was ich sonst ganz sicher vergessen würde. Und seit Neuestem plane ich auch meine kommenden Blog-Artikel und DIY-Projekte vor, so dass ich mir schon weit im Vorfeld meine Gedanken dazu machen kann. Alles super.

Aber …

Ein Bullet Journal bedeutet eine Heidenarbeit! Denn während man bei einem stinknormalen Kalender einfach dort etwas hin kritzelt, wo es andere für einen vorgesehen haben, muss man diesen Platz im Bullet Journal erst einmal selbst schaffen. Wir reden hier von jedem Kästchen um jeden Kalendertag und jeder einzelnen Trennlinie zwischen den Habits. Von jeder Tabelle für das Glücktagebuch und jedem verfluchten, keinen Verbindungsstrich. Bullet Journal hört sich super an und die Bilder sehen hammergenial aus, die man in sozialen Medien und darüber hinaus findet. Doch wer mit dem Feinliner nur mittelmäßig begabt ist und über keine eigene kleine Zeitdruckanlage immer Keller verfügt, kann recht schnell bitter enttäuscht sein.

Bitter enttäuscht bin ich zwar nicht: Doch meine romantische Vorstellung ist ultimativ den Bach runter gegangen! Das sieht bei allen Vorzeige-Journals so einfach aus, so fleckenfrei, so federleicht und blütenrein. Aber mal ehrlich: Die würden uns sicher ihre Fehlversuche präsentieren, oder?

Ich sag`s euch ganz ehrlich: Mein Kalendarium für Februar ist noch nicht mal im Ansatz fertig und mein Glückstagebuch wartet seit dem 25. Januar auf neues Futter. Der Habit Tracker führt mir täglich vor Augen, wie inkonsequent ich bin und meinen tollen, neuen Blog-Post-Planer habe ich ausdruckt, ausgeschnitten und einfach eingeklebt. Und die hübschen Verzierungen, coolen Sketch Notes und Fortschritte in Sachen Malerei? Fehlanzeige!

Stört mich das? Nö, nicht mal im Ansatz. Wieso?

Bullet_Feb-1024x1024 Bullet Journal – Extra-Stress oder ein Weg zur Achtsamkeit?

Mit einem Bullet Journal zu mehr Achtsamkeit

Weil für mich mein persönlicher Kalender nur ein Weg zu mehr Achtsamkeit ist. Und der ist nun einmal nicht linear und auf Punkt und Komma planbar. Aber ich bleibe am Ball, wenn auch manchmal etwas hinterher. Der Habit Tracker redet mir täglich ins Gewissen, an meinen Wasserkonsum zu denken und um spätestens 22.30 im Bett zu liegen. Mein Glückstagebuch erinnert mich an die Glücksmomente im Alltag. Und, ach ja, der Kalender hilft mir, nicht immer an Termine denken zu müssen – und mich stattdessen ab und an auf mich selbst konzentrieren zu können. Dafür pflege ich mein Bullet Journal. Dafür gebe ich mir den ganzen Stress.

Doch nur noch dieses Jahr. Nächstes Jahr suche ich wieder nach einem Standard-Kalender. Jedoch einem, der mir mehr Freiraum gibt. Bis 2020 gibt’s bestimmt schon so etwas wie ein Bullet-Journal-to-go. Wenn nicht, drucke ich mir selbst eins. Hauptsache, keine Striche mehr per Hand ziehen müssen!!! ;-P

Abschließend noch ein paar Links mit Tipps für Bullet Journals – für den Fall, dass ihr nach dieser schonungslosen Analyse trotzdem Blut geleckt habt:

Viele Grüße

Sign Bullet Journal – Extra-Stress oder ein Weg zur Achtsamkeit?

Mehr zum Thema Achtsamkeit im Alltag findet ihr hier …

d0f8d8f17f06441b9d0ef978f6fe7af7 Bullet Journal – Extra-Stress oder ein Weg zur Achtsamkeit?

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.