Achtsamkeit

Achtsamkeit – eine ganz subjektive Einschätzung.

Achtsamkeit und ich. Das ist ein Paradoxon, das dazu taugt, das Raum-Zeit-Kontinuum zu verschieben.

Ein Beispiel: Zu Halloween sieht unser Haus immer aus, als seien 10.000 Kürbisse und drei Friedhöfe explodiert. Fensterbilder, Plastiksärge mit schreienden Untoten darin, Ketten und abgetrennte Gliedmaße, Schrumpfköpfe und Kürbisse, Kürbisse, Kürbisse. Manch ein Auto ist schon bei uns vorbeigefahren, hat den Rückwärtsgang eingelegt und sich das Spektakel noch einmal genauer angeschaut. Ich persönlich brauche das nicht. Aber wer sich einen halben Amerikaner anlacht, darf sich wohl nicht beschweren.

Normalerweise verschwindet das Gemetzel wieder, sobald ich meine Weihnachtsdekoration herausräume. Nicht im vergangenen Jahr. Da nahm mir mein göttlicher Gatte die Arbeit ab und als ich vom Büro nach Hause kam, war der Spuk vorbei. Woran ich das gemerkt habe? Daran, dass Herr Schatz nach zwei Stunden fragte: „Hast du eigentlich irgendwie mitbekommen, dass die Halloween-Deko weg ist?“ Ooops …

Das ist meine aktuelle Form von Achtsamkeit. Ich bekomme so gut wie nichts mit von meiner Umwelt. Und von mir selbst auch nicht. Das hat auch gute Seiten. Zum Beispiel wenn ich das Schülergeschrei morgens in der Bahn komplett ausblenden kann. Oder wenn ich den toten Igel am Straßenrand schlichtweg übersehe. Aber wenn ich noch nicht einmal mehr mitbekomme, wenn sieben Umzugskisten voll Dekoration wieder im Keller verschwunden sind, ist die Zeit für Gegenmaßnahmen gekommen.

Daher habe ich angefangen, an meiner Achtsamkeit zu arbeiten. Denn wie viel verpasst man eigentlich im Leben, wenn man nicht genau hinschaut? Erst heute Morgen habe ich gesehen, dass ein Haus entlang der Straßenbahngleise ab Stockwerk zwei eine hübsch verzierte Fassade hat. Bin ich hochgerechnet schon 1.100 Mal vorbei gefahren – und habe ich heute zum ersten Mal gesehen. Selbstverständlich geht nicht die Welt davon unter, dass ich mir das Haus noch nie genauer angesehen habe. Aber ich bin trotzdem stolz, dass ich es endlich bemerkt habe. So langsam tragen meine Anstrengungen Früchte.

img_0064-1024x576 Achtsamkeit – eine ganz subjektive Einschätzung.

Meine einzelnen Maßnahmen trage ich künftig hier in dieser Blog-Kategorie „Achtsamkeit“ zusammen. Freut euch als erstes auf das Glückstagebuch. Geht gleich richtig schön los. Außerdem werde ich kleine, aber feine Momente sammeln, die mir besonders gut gefallen haben.

PS: Herzlichen Dank an meinen Herrn Schatz für das Foto ganz oben. Ich war leider nicht dabei, aber wenn ich es gewesen wäre, wäre es auch für mich ein besonders achtsamer Moment gewesen.

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